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Pfr. Daniel Rudloff

 

Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis (A) 

 

Salz der Erde, oder: Was macht Deine Identität aus?

Diakon Dr. Thomas Pogoda

Matthäus 5,13–16

Kann Salz seinen Geschmack verlieren? Was meinst Du?

Die Antwort des Chemikers ist kurz und knapp: Nein! Salz kann seinen Geschmack nicht verlieren. Salz wird immer salzig schmecken - es kann diese Eigenschaft nicht verlieren, weil das Mineral Natriumchlorid ist - und das ist salzig. Zum Wesen des Salzes, zur Identität des Salzes gehört es, den Geschmack “salzig” zu haben.

Was meint aber Jesus dann, wenn er davon spricht, dass das Salz seinen Geschmack verlieren könnte? Zu seiner Zeit nutzen die Menschen häufig Salz aus dem Toten Meer - diesem Salzsee, also direkt vor der Haustür. Aber das Salz von Toten Meer war ein Gemisch. Dieses Gemisch enthielt neben dem echten Salz auch andere Mineralien wie Gips oder Kalk. Normalerweise merkte man das nicht - doch wenn das ganze nass wurde, dann schwemmte es das echte Salz nach und nach aus. Denn Salz ist viel löslicher als Gips oder Kalk. Naja: dann war das echte Salz weg und übrig blieb ein weißer Staub. Weil das Salz weg war, war auch der Geschmack weg. Das erklärt wohl, warum Jesus davon spricht, dass das Salz Geschmack verliert und man es wegwirft. Letztlich hat diese Mischung - die für Salz gehalten wurde - seine Identität verloren: denn das Salz war gar nicht mehr da, sondern nur noch Staub.

Und das Bild vom Licht, dass nicht Licht ist, wenn es nicht leuchten kann, geht in eine ähnliche Richtung: ein Licht, das nicht leuchtet, ist kein Licht. Dann hat auch das Licht seine Identität verloren.

Mit seinen Worten vom Salz der Erde und vom Licht der Welt spricht Jesus über die Identität eines glaubenden Menschen - eines Menschen, der Gott sucht. Und er spricht dabei über unsere Identität als Christenmenschen, Deine und meine. Und was macht diese Identität aus?

Eine Antwort - nein viele Antworten - gibt Jesus selbst in seiner „Bergpredigt”, zu der ja auch die Worte vom Salz der Erde und vom Licht der Welt gehören. Von diesen vielen Gedanken will ich nur drei Highlights nennen, aber – gleich als Vorwarnung vorweg – das wird jetzt nicht einfach für uns. Zur Identität des Christlichen gehört nach den Worten Jesu:

38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. 39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! (Mt 5,38-39)

Zur Identität des Christlichen gehört es auch:

43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, (Mt 5,43-44)

Zur Identität des Christlichen gehört schließlich:

 12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! (Mt 7,12)

Ich gebe zu, dass sind drei anstrengende Sätze - aber sie zeigen ein Muster! Und das Muster lautet: Leben funktioniert nur wenn Menschen sich Ihrer Gegenseitigkeit bewusst sind. Leben funktioniert nur, wenn uns klar wird, dass es ohne die anderen nicht geht – auch wenn es schwer ist. Darum eben keine Vergeltung von Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Darum nicht Hass, sondern Liebe. Darum dieses alles was Du willst, dass Dir getan wird, tu auch anderen.

Nach der Vorstellung Jesu gehört zur Identität des glaubenden Menschen, in Beziehung zu leben und sich nicht von anderen abzugrenzen. Den Mitmenschen mit der gleichen Achtung zu begegnen, wie ich sie für mich selbst wünsche. Nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern das Verbindende zu suchen. Das macht die Identität eines christlichen Menschen aus: nicht Abgrenzung von den Anderen, sondern die Suche nach dem Verbindenden. Diese Identität überwindet auch alle Selbstbezogenheit - weil Sie in das Angesicht des Anderen blickt.

Dieser Tage wird viel über ein Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt geschrieben und berichtet. Wenn Du das liest, wirst Du merken, wie sehr dieses Programm von Positionen der Abgrenzung und auch Selbstbezogenheit geprägt ist. Dort wird eine Kultur beschworen, die eben nur die eigene Perspektive im Blick hat und negiert, dass sich die Welt verändert und einfach zusammengerückt ist. Zwar wird in diesem Programm davon gesprochen, dass ein Bekenntnis „zum Christentum und der christlichen Ethik [...] nachhaltiger [handeln] und [...] einen wertvollen Beitrag zu unserem Gemeinwesen [leisten]” würde.

Daher sei „das Christentum [...] ein wesentlicher Teil unserer Europäischen Kultur“. Doch Jesu Werte der Gegenseitigkeit fehlen. Es gibt zwar Gegenseitigkeit mit den Eigenen – jenen, die dem eigenen Volk angehören, die die gleichen Einstellungen wie man selbst haben, etwa zu Nation, Volk, Ehe und Familie -, doch gleichzeitig fehlt es an Gegenseitigkeit mit den Anderen, dem Fremden, dem Migranten, dem Geflüchteten. Hier ist eher von Abgrenzung die Rede: Wir und die Anderen.

Doch wie sagte es Jesus: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! (Mt 7,12)

Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen: Das ist christliche Identität! Das macht den Geschmack des Salzes der Erde aus. Es entspricht dem Strahlen des Lichtes der Welt auf dem Leuchter. Lese ich das Wahlprogramm, dann kommt es mir vor wie das, was vom Salz aus dem Totem Meer übrigbleibt: das echte Salz des Christentums ist da ausgeschwemmt, und es bleibt der Gips und Kalk, es bleibt nur der Staub populistischer und auch extremistischer Ideen.

Dear brothers and sisters, being the salt of the earth and the light of the world means having a Christian identity. This means: love your neighbour, love even your enemies, pray for people who treat you badly, and treat others the way you want to be treated (Mt 5:43-44; 7:12). Life works best when we care for each other, not when we keep our distance. Jesus asks us to build relationships, show respect to others, and look for what connects us. Today, many political ideas focus on keeping people apart. But Christian values are about love, openness, and treating all people with kindness – not just those who are like us. Be brave, speak up for what you believe in, and help people come together, just as Jesus showed us.

Was bedeutet das für Dich und mich? Schau Dich in Deiner Kirche um, dann wirst Du sehen, dass diese Kirche ein migrantisches Antlitz hat.

Gerade christlich in der katholischen Variante bedeutet, Teil einer globalen Gemeinschaft zu sein, die sich eben nicht über eine deutsche, ja nicht einmal europäische Kultur definiert. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns fragen, muss ich mich fragen, musst Du Dich fragen, ob diese Gedanken, die Dir in den kommenden Monaten in den verschiedenen Wahlprogrammen – egal aus welcher Richtung –vorgehalten werden, zu Deiner eigenen christlichen Identität passen, oder ob sie es eigentlich nicht tun. Und dann ist es an uns, den Geschmack unseres Salzes schmecken zu lassen, das Licht strahlen zu lassen. Eben nicht beim Gespräch mit der eigenen Familie, am Gartenzaun, beim Bäcker in das Populistische einzustimmen, sondern auch den Mut aufzubringen dagegenzuhalten – für diesen Gedanken der Gegenseitigkeit einzustehen, der so von Jesus kommt. Daran zu erinnern, was diese christliche Identität ausmacht: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! (Mt 7,12)

Und nicht: Wir und die Anderen. Nicht: Auge um Auge. Nicht: Zahn um Zahn!

 

 

 

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